Donnerstag, 12.03.2026
Dieses Jahr führte uns die legendäre Grünkohltour ins sagenumwobene Müden an der Aller. Wenn ich Freunden davon erzählte, bekam ich regelmäßig denselben Blick zu sehen: eine Mischung aus Fragezeichen, innerem Google Maps und „Hä?“. Also erklärte ich geduldig: „Irgendwo bei Hannover, neben Gifhorn.“
Organisiert wurde das Ganze von Elke und Martin Blömer, tatkräftig unterstützt von Anne und Arno Hoffmann. Insgesamt rollten 33 Wohnmobile an, gefüllt mit 65 gut gelaunten Menschen. Eine beeindruckende Zahl – fast schon ein kleiner Konvoi, der vermutlich sogar von Satelliten erfasst wurde.
Der Stellplatz „WoMo Müden“ bot uns eine Eventhalle mit großem Unterstand bzw. Biergarten. Ein Ort, der so perfekt war, dass man fast vermuten könnte, er sei speziell für uns gebaut worden.
Einige waren schon einen Tag vorher angereist. Doch heute war eigentlich der erste Tag des Treffens. Als Willkommensgeschenk erhielten wir eine wunderbare Aufschnittplatte vom örtlichen Schlachter und einige Informationen über die Region.
Mein Toni und ich bekamen einen Ehrenplatz zugewiesen und während ich noch überlegte, ob ich jetzt besonders wichtig oder einfach nur strategisch günstig platziert war, wuchs um uns herum ein Meer aus Tischen und Stühlen. Die Sonne schien, die Stimmung stieg, und die Getränke flossen wie von selbst. Unsere Gastgeber und ihre fleißigen Helferlein hatten offenbar beschlossen, dass niemand auch nur ansatzweise dehydrieren sollte.
Pünktlich um 16:30 Uhr begrüßte Martin alle Teilnehmer und stellte noch einmal das bevorstehende Programm vor.
Ab 18:00 Uhr begann dann das Camperbuffet mit Grill. Ich brachte meinen Salat zum Biergarten rüber und konnte nur staunen. Dort standen unendlich viele Salate, Dips und Desserts. Dazu hatte das emsige „Orgateam“ einiges an Fleisch und leckeren Getränken organisiert. Kurzum - es war einfach ein großartiges Buffet und es hätte für den ganzen Ort gereicht. Sehr gut gesättigt und leicht angedüddelt ging es irgendwann wieder in die Womos. Anmerkung der Autorin: ich habe fast alle Salate durchprobiert und sie waren alle super lecker! Danke an die hervorragenden Köchinnen!
Freitag, 13.03.2026
Heute konnten wir ausschlafen, in Ruhe frühstücken und einige nette Gespräche führen. Manche, wie auch ich, nutzten die Zeit für gewisse Entsorgungen. Um 11:00 Uhr holten uns zwei Busse ab. Die Sonne schien, die Laune war prima und so konnte es zum Internationalen Mühlenmuseum in Gifhorn gehen.
Das 1980 eröffnete Museum beinhaltet auf seinem Gelände 13 Mühlen aus allen Herren Ländern. Griechische, portugiesische, mallorquinische, französische, serbische, koreanische Mühlen, eine ungarische Schiffsmühle und noch viel mehr. Sie dienten zum Korn mahlen, Wasser pumpen oder zum Öl pressen. Wind- oder Wassermühlen der verschiedensten Bauarten. Sogar eine russisch-orthodoxe Holzkirche konnte man bewundern. Was für ein großartiges Gelände! Da heute der erste Öffnungstag der neuen Saison ist, waren hauptsächlich wir Carthago Mitglieder auf dem Gelände unterwegs.
So war es auch wenig erstaunlich, dass ich einige Freunde in der örtlichen Gaststätte, welche sich in der westfälischen Rossmühle befindet, wieder fand. Hier konnte man sich zur Mittagszeit bei einfachen Gerichten zusammenfinden. Alternativ lag die Innenstadt von Gifhorn nur 20 Gehminuten vom Museum entfernt. Einfach eine wundervolle Zeit! Um 15:45 Uhr holten uns die Busse wieder auf dem Museumsparkplatz ab und pünktlich zum Beginn des eintretenden Regens erreichten wir unseren Stellplatz. Ein gutes Timing!
Für mich war das der Moment für ein intensives, hochprofessionelles Mittagsschläfchen. Andere nutzten die Zeit für einen kleinen Plausch – vermutlich, weil sie weniger talentiert im Powernapping sind.
Um 18:00 Uhr ging es ein paar Meter weiter in die Eventhalle zum Schnitzelessen. Ein reichhaltiges Buffet wartete auf uns, begleitet von der notwendigen flüssigen Unterstützung. Ich würde sagen: Wir wurden satt. Sehr satt. Also so satt, dass man sich beim Rückweg zum Wohnmobil fast rollen konnte.
Samstag, 15.03.2026
Heute dürfen wir wieder ausschlafen. Bei dem grauen Himmel und Regen ist das auch eine gute Idee. Die Gassigänger sind natürlich schon wieder früh unterwegs.
Leider mussten Gudrun und Walter Oelkers aus Ganderkesee spontan abreisen. Ein Stromdefekt im Auto – die gesamte Bordelektronik tot, trotz voller Batterien. Selbst die geballte Kompetenz unserer Wohnmobilgemeinschaft konnte das Problem nicht lösen. Da half kein Klopfen, kein Messen, kein „Hast du mal probiert, den Hauptschalter umzulegen?“. Sehr schade, denn sie mussten abreisen, bevor das große Boßelturnier überhaupt starten konnte.
Um ca. 13:00 Uhr versammelten wir uns, um von der Stellplatzchefin und Wirtin Claudia den Tourenverlauf und die Regeln erklärt zu bekommen. Danach wurden die Teams nach Farben eingeteilt und die passenden Bälle verteilt. Natürlich war auch der obligatorische Bollerwagen mit den flüssigen Stärkungsmitteln dabei. Sogar zwei Stück davon. Ich bin in der orangen Gruppe und mein erster Wurf war nicht gerade von Ruhm gekrönt. Unterwegs wurde es dann doch etwas schwieriger. Ein Teil von uns inspizierte den Inhalt des Bollerwagens (rein wissenschaftlich natürlich), die nächsten hielten ein Schwätzchen, andere wiederum versuchten sich noch mal die Regeln in den Kopf zu hämmern. Spoiler: zum Ende waren wir, egal welcher Couleur, ein hervorragendes Team. Die Zusammenarbeit war großartig und die Qualität der Würfe verbesserten sich in alle Richtungen. Auch nach oben.
Auf der Mitte unserer Tour erwartete uns ein kleines Buffet aus Griebenschmalzbroten, gefüllten Wraps und diversen flüssigen Schmierstoffen. Sogar ein Ouzo Brunnen sprudelte fleißig sein Gesöff aus. Das Defizit lautet: Schnäpschen rein - glücklich sein. Nun noch die letzten 600 m schaffen, wo wir nochmal richtig Tempo vorlegten und keinen Ball in den Graben schossen! Das ist wirklich nicht selbstverständlich.
Nach rund zwei Stunden waren wir wieder bei den Wohnmobilen. Der Rückweg ging deutlich schneller – ohne Bälle. Die Gesamtstrecke betrug ca. 3 km. Nicht viel - aber super lustig!!
Nach einer kleinen Pause begaben wir uns alle wieder zur Eventhalle, wo das Grünkohlessen stattfand. Man glaubt gar nicht, wieviel verschiedene Zubereitungsarten es beim Grünkohl kochen gibt. Am besten, man stellt keine hohen Erwartungen und das haben wohl die meisten von uns beherzigt. Jedenfalls wurde ordentlich zugelangt.
Danach schnappte sich Jochen Henkel das Mikrofon und sprach einen großen Dank an das Organisationsteam aus, was mit einem heftigen Applaus von uns allen bestätigt wurde. Darauf folgten aber auch ermahnende Worte. Wenn zukünftig jedes Jahr ein Grünkohltreffen angeboten werden soll, muss sich jeder mal bereit erklären, ein Treffen zu organisieren. (das schlechte Gewissen klopft bei mir schon an). Ansonsten bleibt immer alles an den Mitgliedern aus dem Vorstand hängen und die setzen sich bereits sehr stark für unseren Freundeskreis ein. Dabei braucht das Programm nicht sehr umfänglich sein und jeder wird unterstützt. Es geht vor allen Dingen darum, nach einer langen Winterzeit mit Freunden eine nette Zeit zu verbringen. Das hat gesessen, denn plötzlich meldeten sich Heike und Rainer Drewes aus Melbeck bei Lüneburg. Sie würden gerne die Grünkohltour 2027 organisieren und anbieten! Ein kollektiver Stein fiel uns vom Herzen, und der Jubel war entsprechend groß.
Nun folgte die Siegerehrung für das Boßelturnier, welches so spannend war, dass ich gar nicht mitgeschrieben habe. Die orange Gruppe lag jedenfalls, Dank meiner tatkräftigen Mithilfe, auf einer der letzten Plätze. Das Siegerteam, das ist das Team mit den wenigsten Würfen, wurde das grüne Team. Auf den Fotos kann man die strahlenden Gesichter sehen.
Bevor wir aber alle wieder zu unseren Tischen zurückkehren konnten, rief unser Wirt André zum Tanz auf, was bei einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu einer spontanen Wunderheilung führte. Keine Knie- und Rückenschmerzen waren mehr zu spüren und somit bewegten sich alle kräftig zum Takt der Musik. Was für eine grandiose Party!
Sonntag, 15.03.2026
Heute stand der schwierigste Teil des ganzen Treffens an: Wir müssen uns trennen.
Und Abschiednehmen fällt mir grundsätzlich schwer. Selbst die Trennung vom Stromkabel fühlt sich an wie ein kleiner Stich ins Camperherz.
Irgendwie ging alles viel zu schnell vorbei. Eben noch standen wir mit Bollerwagen und Ouzo-Brunnen auf der Strecke, und plötzlich heißt es: Entsorgen, einräumen, losfahren.
Nach der Entsorgung ging es für meinen Toni und mich wieder auf die Bahn. Körperlich war ich unterwegs, aber gedanklich noch mitten im Treffen. Viele Momente werden mich sicher noch eine ganze Weile begleiten: die lustigen, die spannenden, die gemütlichen – und natürlich die, bei denen man sich fragt, wie man eigentlich mit einem Ball in der Hand so viel Chaos anrichten kann. Es war witzig, unterhaltsam, herzlich und gleichzeitig wunderbar entspannend. Genauso, wie ein Grünkohltreffen sein sollte.
Danke an Elke, Martin, Anne und Arno – und an all die vielen fleißigen Helfer, die im Hintergrund gewirbelt haben. Ihr habt uns zauberhafte Tage geschenkt.
Aber auch die anderen Teilnehmer haben ihren Teil dazu beigetragen. Ohne die vielen Gespräche, das Lachen, die gemeinsamen Mahlzeiten und die kleinen Momente zwischendurch wäre es nur halb so schön gewesen.
Barbara Guttermann